Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

01.05.08 Himmelfahrt

2008 - Distriktsgottesdienst der Gemeinden
Neckarweihingen Poppenweiler Hoheneck

Im Kirchhof der Wolfgangkirche in Hoheneck

 

Unter musikalischer Gestaltung durch einige Mitglieder der "vereinigten Posaunenchöre" des Kirchendistrikts wurde der diesjährige Himmelfahrtsgottesdienst unter freiem Himmel
im Kirchhof der Wolfgangkirche gefeiert.


Die Leitung des Posaunenchors hatte unser Chorleiter Hr. Kneißler.

 

Da auch das Wetter mitspielte und nur einige Wölkchen die Sonnenstrahlen auf Ihrem Weg in den Hohenecker Kirchhof behindert hatten, blieben die Gottesdienstbesucher bei "Hefezopf und Limonade" noch zum "Schwätza" im Kirchhof.


 

Vielen Dank an den KSV-Hoheneck, der uns seine Bänke zur Verfügung gestellt hatte und an alle Helferinne und Helfer, die beim Auf- und Abbau und bei der Verköstigung mitgeholfen haben.

 

Der Gottesdienst

Gehalten wurde der Gottesdienst von

Pfarrerin Hertler-Hoffmann (Neckarweihingen)

Pfarrer Gruhn (Poppenweiler)

Pfarrer Bauschert (Hoheneck)

auch Pfarrer Hoffmann aus Neckarweihingen war an der Gottesdienstgestaltung beteiligt - allerdings auf musikalischer Ebene:

 

Predigt am 1. Mai 2008 (Himmelfahrt)
Thema: Zwischen Himmel und Erde – auf eigenen
Füßen stehen


Dialog von zwei Jüngern:

Jünger 1:
„Jetzt komme ich mir vor, als ob ich zum zweiten Mal verlassen worden wäre. Jetzt ist wirklich alles aus und vorbei. Jesus ist weg, vor unseren Augen endgültig verschwunden!“

Jünger 2:
„Wie meinst du das – zum zweiten Mal verlassen?“

Jünger 1:
„Na, du kannst Fragen stellen! Erinnerst du dich nicht mehr, wie wir uns gefühlt haben an diesem schrecklichen Freitag vor wenigen Wochen, als Jesus jämmerlich am Kreuz gestorben ist? Mir kam es so vor, als ob alle unsere Hoffnungen mit ihm gestorben wären.“

Jünger 2:
„Ja, schon, aber dann kam doch der Ostersonntag mit der

Freudennachricht, dass Jesus lebt; und seither ist er uns immer wieder begegnet, hat mit uns geredet, hat unsere Hoffnung wieder geweckt.“

Jünger 1:
„Ja, das stimmt. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, das zu glauben. Zu tief saßen Schmerz und Trauer. Aber dann konnte ich mich darauf einlassen, ganz neu auf Jesus und seine Botschaft zu vertrauen – er war ja wieder da, mitten unter uns. Aber jetzt…“

Jünger 2:
„Jetzt hat er uns endgültig verlassen, meinst du?“

Jünger 1:
„Natürlich! Du warst doch auch dabei, hast miterlebt, wie er plötzlich weg war. Ja, er hat uns verlassen; allein bleiben wir zurück, ohne Hoffnung.“

Jünger 2:
„Ich kann dich gut verstehen; ich bin auch traurig darüber, dass Jesus jetzt nicht mehr da ist.“


Jünger 1:
„Traurig? Das ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Ich bin nicht nur traurig. Ich weiß einfach nicht mehr weiter und kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie es jetzt weitergehen soll…“


1. Teil der Predigt:

An dieser Stelle, liebe Gemeinde, blenden wir uns aus dem Gespräch der beiden Freunde Jesu aus.
„Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie es jetzt weitergehen soll; ich kann nicht mehr; aus und vorbei…“
Ja, ich kann sie verstehen, diese Reaktion.
So groß waren die Hoffnungen, die sie auf Jesus gesetzt hatten – und jetzt diese Enttäuschung, zum zweiten Mal.
Den Tod Jesu konnten sie nicht verstehen.
Er war für die das Ende all dessen, was sie mit Jesus erlebt und was sie sich von ihm erhofft hatten.
Auf die Begegnungen mit dem Auferstandenen konnten sie sich nur zögernd einlassen.
Aber sie fanden darin wieder ein Fundament für ihr Leben.
So könnte es weitergehen – zusammen mit Jesus, der den

Tod besiegt hat.
Die Begegnung mit dem Auferstandenen war für sie der Grund dafür, dass sie überhaupt wieder Boden unter die Füße bekamen; dass sie wieder Mut fassen konnten, dass ihrer Hoffnung wieder Flügel wuchsen.

Doch dann verschwindet er, vor ihren Augen.
Sie erleben mit, was wir „Himmelfahrt“ nennen.
Was ihnen bleibt, ist der Blick zum Himmel.
Jetzt hat er sie wirklich allein zurück gelassen.

(Wird die Hoffnung, die neu gewachsen ist, trotzdem tragfähig bleiben?
Werden sie neue Schritte gehen können auf dem Weg, den sie eingeschlagen haben?
Oder bleiben sie mutlos stehen, den Blick Hilfe suchend nach oben gerichtet?)

2. Teil der Predigt: Mir ist es zu viel, ich habe genug!

Am Anfang war es ihr, als hätte sich der Boden unter ihren Füßen geöffnet und sie wäre in ein ganz, ganz tiefes Loch gefallen und immer nur gefallen. Dann aber realisierte sie, dass ihr Mann nicht mehr da sein wird. Ihr Leben wird fortan ohne ihn sein.
Nach dem ersten Erschrecken war sie einfach müde. Sie wollte schlafen und alleine sein.
Zwischendurch aber ergriff sie immer wieder mal eine sehr große Wut. Und in Gedanken schleuderte sie ihm Sätze entgegen. „Hättest du doch besser aufgepasst. Du bist auch immer so schnell gefahren. Hast du nicht auch an deine drei Kinder und mich denken können?“
Auszusprechen hätte sie sich solche Gedanken nicht getraut.

Manchmal, wenn die Tür geht, meint sie, er käme jetzt herein. Sie weiß, dass es nicht sein kann, aber wünschen dürfen, ja wünschen dürfen, das möchte sie sich das doch wenigstens.

Das Alleinsein ist schwerer als sie es vorher glauben konnte. Ja, sie schafft es, mit den drei Kindern. Es gibt ja auch noch ihre Eltern, die helfen ihr. Trotzdem wird ihr es immer auch mal wieder zu viel. An alles muss sie nun selber denken. Alles muss sie jetzt selber entscheiden. Alles muss sie jetzt auch verantworten. Sie kann nicht einmal mehr sagen: „Das hast doch du so gesagt, dass wir das so machen sollen.“

In letzter Zeit träumt sie sich gerne in eine andere Welt. Im Internet hat sie ein Forum gefunden. Abends treffen sie sich zum Chatten. Man kennt sich und kennt sich auch nicht. Dort trägt sie den Namen „HoldeBlonde32“. In einen Chatter hatte sie sich auch einmal verliebt. Aber sie weiß, dass sie das gar nicht mehr will. Sie hat einfach genug und alles ist ihr zuviel geworden.

Wenn sie aber ihren Kindern morgens das Frühstück macht und die drei Purzel am Tisch sitzen, dann weiß sie, wofür sie da ist. Dann spürt sie den Boden unter den Füßen. Sie spürt dann ihre Kraft und weiß, sie wird es schaffen.

3. Teil der Predigt:

„Mir ist es zuviel, ich habe genug!“
Verlassen zu sein, Wut und Trauer,
all diese Gefühle verbinden diese Frau und die Jünger.
Von jetzt auf nachher stehen sie allein da,
ohne jemanden, der ihnen sagt, wo es lang gehen soll.
Der Trennungsschmerz ist furchtbar.
Er lähmt.
Ich sehe sie richtig vor mir, die Jünger,

wie sie gen Himmel starren –
fassungslos, hilflos, irgendwie leer.
Es dauert, bis sich diese Starre löst.
So kennen wir das auch von Trennungen.
Erst nach einiger Zeit beginnt die bewusste Auseinandersetzung mit dem Verlust.
Wir klagen: „Verlassen hat er uns, im Stich gelassen!“,
wir hadern – vielleicht auch mit Gott.
Und all das ist mit viel Schmerz verbunden,
mit Enttäuschung, mit Vorwürfen und Schuldgefühlen
und meist auch mit vielen Tränen.

Und erst wenn all diese Gefühle zugelassen worden sind,
dann ist wieder Raum, nach vorn zu schauen,
vielleicht zu fragen: wo soll der Weg hingehen,
wie gibt es eine Zukunft, ohne diesen Menschen?
Es setzt jetzt ein Prozess ein, der wichtig ist,
damit Neues entstehen kann.
Erst dann werden Jünger allmählich begriffen haben,
dass sie selbst ihr Leben in die Hand nehmen müssen.
So wie bei Jugendlichen,
die auf der Schwelle vom Kindsein zum Erwachsenwerden sind.

Nicht mehr die Eltern bestimmen, wo es langgeht,
sondern sie selber müssen begreifen, dass sie selber jetzt ihr Leben Stück für Stück in die Hand nehmen,
eigene Entscheidungen treffen müssen und dafür die Verantwortung übernehmen müssen.
Ein wichtiger und zugleich schwieriger, mühsamer Schritt,
der auch wehtut,
weil er Abschied von Altem, von Gewohnten fordert.
Wir kennen das auch von kleinen Kindern,
die massiv einfordern „selber“ – selber essen, selber den Löffel halten zu dürfen,
und die dann nach viel Üben die Erfahrung machen,
es geht allein, was sie sehr stolz macht.

Selbständig werden, auf eigenen Füßen stehen,
ist ein mühsamer, aber ein lohnender Schritt.
Am Ende steht eine neue Freiheit, eine neue Selbständigkeit.
Und wie Jugendliche dann wie verwandelt dastehen,
selbständig, selbst-bewusst, voller Selbst-Vertrauen
und Selbst-Wert-Gefühl,
so war es sicherlich auch für die Jünger.
Sie spürten, jetzt kommt es auf uns an,

wie es mit dem Evangelium weitergeht.
Jetzt sind wir gefordert,
im Sinne Jesu zu leben und seine Botschaft weiterzusagen.
Und erst dadurch, dass Jesus in den Himmel gefahren ist,
hat er den Jüngern diese Entwicklung ermöglicht.
So wie auch Eltern ihren kleinen Kindern oder Jugendlichen
ermöglichen, selbständig zu werden, indem sie sie loslassen.

Für die Jünger war so Neues möglich.
Zaghaft, sicherlich nicht ohne Angst, nicht ohne Zweifel
taten sie erste eigene Schritte,
so wie es diese Frau bestimmt auch gemacht hat.

Doch sie mussten diese Schritte nicht ganz allein gehen.
Wie es in der Apostelgeschichte heißt,
bekamen sie noch Entscheidendes mit auf den Weg:
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“ So wurde ihnen verheißen.

Der Heilige Geist als Begleiter, als Tröster, als Helfer,
als eine Kraft, die stärkt,
als eine Kraft, der neu beflügelt und Mut macht,
wurde ihnen versprochen auf dem Weg zu eigener Selbständigkeit und Mündigkeit.
Ihn an ihrer Seite zu wissen, half ihnen,
nicht den Blick sehnsuchtsvoll in den Himmel,
sondern auf die Erde zu richten,
auf die Aufgaben, die hier anstehen.
So werden die Jünger durch Jesu Weggang nicht einfach verlassen, sondern verwandelt.

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“
Dieser Geist hilft auch uns,
Veränderungen, denen wir nicht ausweichen können,
durchzustehen, auch wenn es ein mühsamer Weg ist.
Dieser Geist hilft uns, dass auch wir auf eigenen Füßen stehen, die nötigen Schritte gehen und den richtigen Weg finden.

Amen.

Interessante Links: http://www.meinekirche.de http://www.seelenfuetterer.de http://www.ekd.de http://www.elk-wue.de