Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

06.01.14 Matthäus 2, 1-12

Gottesdienst zum Erscheinungsfest
06.01.2014


Vorbereitung:
Den Gottesdienstbesucher(innen) wir ein Tütchen mit Punschgewürzen überreicht.



 

Schriftlesung - 1.Korinther 9, 19-22

 19 Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne.

20 Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen, die unter dem Gesetz sind, bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden - obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin -, damit ich die, die unter dem Gesetz sind, gewinne.

21 Denen, die ohne Gesetz sind, bin ich wie einer ohne Gesetz geworden - obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin in dem Gesetz Christi -, damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne.

 

22 Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.



Predigt zu Matthäus 2, 1-12


Liebe Gemeinde,

in den letzten beiden Sonntagspredigten hatten wir von den ersten „Auftritten“ Jesu gehört.
Zunächst als Säugling von seiner Darstellung im Tempel und vergangenen Sonntag als 12-jähriger, als er sich von seinen Eltern abgesetzt und 3 Tage im Tempel, im Hause seines Vaters verbracht hatte.

Heute gehen wir noch ein letztes Mal zurück zur Geburt im Stall.
Heute tauchen wir noch einmal ein in die Weihnachtsstimmung, schnuppern an den Punschgewürzen, die Sie in Händen halten.
Heute sehen wir ein letztes Mal den Weihnachtsbaum mit seinen Sternen und Lichtern, sehen die geschmückte Empore mit dem hell leuchtenden Stern, finden ein letztes Mal die Krippe hier auf dem Taufstein. Am Samstag sammelt der CVJM wieder die ausgedienten Weihnachtsbäume ein, unter all dem Grün wird auch dieser Baum hier sein. Doch noch ist es nicht so weit.

Heute ist Epiphanias;
heute ist das Erscheinungsfest.
Heute hören wir von drei Gelehrten, die aus einem fernen Land auszogen, um einer Sterndeutung zu folgen; einer Sterndeutung, die die Geburt eines Königs versprach.

Wir hören aus dem 2.Kapitel des Matthäus-Evangeliums, die Verse 1-12

Die Weisen aus dem Morgenland

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll. « Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,  und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.  Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

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Das war ein Schreck für König Herodes.

Da waren ihm drei Fremde angekündigt worden. Drei wohlhabende, gut gekleidete Herren, die sich auf Ihren Kamelen und wohl, wie es damals üblich war, mit Ihren Dienern und Packtieren im Gefolge, auf den Weg gemacht hatten, um ihn Herodes, den König der Juden zu besuchen.

Er war sicher stolz. Selbst in den weit entfernten Ländern kannte man seinen Namen. Er, Herodes war eine wichtige Persönlichkeit, so wichtig dass drei reiche Herren, hoch angesehene Gelehrte, Sterndeuter, wie man ihm mitgeteilt hatte, ihn dringend sprechen wollten.

Brachten Sie Nachricht, die die Zukunft seines Reichs oder vielleicht sogar seine eigene, persönliche Zukunft betrafen?

Mit Spannung erwartet er und sein gesamter Hofstaat den Auftritt der
3 Weißen aus dem Morgenland.
Der Empfangsaal wimmelte nur so von Bittstellern aus seinem Volk. Viele kamen zur Klärung von Rechtsstreitigkeiten, andere wollten um Hilfe bitten. Doch nun war es still geworden und alle lauschten den Worten der Fremden.

„Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.“

Herodes läuft kreidebleich an und schaut sich zu seinen Beratern um. Sie starren genauso fassungslos zurück. Sein Blick geht hilfesuchend über die Menschen im Saal zurück zu den drei Gelehrten, die ihm soeben den Schock seines Lebens verpasst haben.

„Ich danke euch für euren Besuch und teile euch den Geburtsort später mit“ Der König versuchte sicher auf eine solche Art und Weise sein Gesicht zu wahren.

Die Audienz ist beendet, der König zieht sich zurück. Er ist geschockt. Die Frage dieser hochgebildeten Herren ist durchaus ernst zu nehmen. Ein neugeborener König der Juden? Was soll das bedeuten? Er weiß von keinem neugeborenen Kind in seiner Familie; und … ist ratlos …

Herodes sucht sich Hilfe.
So lesen wir „und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.“

Die Drei Weißen aus dem Morgenland waren sicher nicht weniger verwundert.
In Israel war ein neuer König geboren worden. Das hatten sie aus der Sternenkonstellation erkennen können und dessen waren sie sich auch sicher. Wieso wusste der König nichts davon? Wieso schien überhaupt niemand hier in der Hauptstadt davon erfahren zu haben? Hier in der Hauptstadt Jerusalem, wo normaler Weise die Königskinder das Licht der Welt erblickten.
Aus den Sternen hatten die drei nur das „Was“ erfahren. Das genaue „Wann“ und vor allem das „Wo“ blieb ihnen jedoch verborgen.

 

Zunächst kamen nun weder die Drei Weißen noch König Herodes weiter.

Das was für alle Beteiligten am wichtigsten ist, steht halt nicht in den Sternen, sondern ….

- kurze Denk-Pause –

Die Hohenpriester und Schriftgelehrten trafen mit hochzufriedenen Gesichtern wieder beim König ein. Hochzufrieden, denn sie kannten die Antwort, die weder die hochgeschätzten Gelehrten aus dem fernen Land noch ihr eigener König wussten. Die Antwort fanden sie in der heiligen Schrift:

„In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“

König Herodes hört sich die Antwort an. Kein Zweifel, das was der Prophet Micha hier angekündigt hat, passt zu seiner augenblicklichen Situation.

Jetzt soll irgendein Kind, geboren im Provinznest Bethlehem seinen Platz als König einnehmen? Nein, das würde er nicht zulassen. Das Kind muss beseitigt werden, soviel war klar. Aber hierzu musste es erst noch gefunden werden.

König Herodes lässt die Drei Weißen aus dem Morgenland zu sich rufen. Dieses Mal jedoch nicht im Empfangssaal, in dem alles Volk mit dabei war, nein! Dieses Mal ruft er sie im geheimen zu sich und lässt sich von ihnen alles erzählen, was sie von dem Ereignis wussten.
Nachdem sie nichts mehr zu erzählen hatten, verrät Herodes das Geheimnis: „Geht nach Bethlehem!
Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.“

So machen sich die drei auf den Weg nach Bethlehem. Etwas verwundert, wegen dem Ziel ihrer Reise, jedoch frohen Mutes, denn sie sehen den hellen Stern wieder, der ihnen den Weg weist.

All ihr Wissen, das Studium der Sterne, all ihre Erfahrung brachte sie nicht ans Ziel. Erst die Heilige Schrift, das Wort Gottes brachte die Antwort auf all ihre Fragen. Bereits jetzt spürten sie: Dieser Gott der Juden ist ein mächtiger Gott. Er wusste schon lange vor allen anderen, dass sie einst die Frage stellen würden, auf die sie nun eine Antwort erhalten hatten. War er es möglicherweise, der die Sterne lenkte, damit sie sich überhaupt erst auf den Weg machen konnten?

Sie kommen nach Bethlehem. Der Tross zieht die Aufmerksamkeit der Bewohner auf sich. Verwundert bleiben die vereinzelten Männer und Frauen, die in der Dämmerung unterwegs sind am Wegesrand stehen und schauen den Fremden nach. Der Stern bleibt über einem Stall stehen.

Sie steigen von Ihren Kamelen ab und betreten den Stall. In der Futterkrippe finden sie ein Neugeborenes, daneben seine Mutter.

Verwundert blicken die drei sich an: „Das soll der neue König der Juden sein?“

Aber ihre Erfahrung sagt ihnen, die Sterne lügen nicht. Außerdem klingt ihnen noch die Antwort des Herodes in den Ohren: Geht nach Bethlehem!

Sie sind sich nun ganz sicher: Der neue König der Juden, mehr noch Christus selbst liegt vor ihnen in der Krippe. Sie packen Ihre Geschenke aus und fallen vor dem Kind auf die Knie und beteten es an.

Sie sind voller Freude, am Ziel ihrer Reise angelangt. Sie würden nun zuerst zurück nach Jerusalem reisen und König Herodes alles berichten.

Doch es kommt anders. Im Traum spricht Gott zu Ihnen. Sie sollen nicht zu Herodes zurückkehren, sondern einen anderen Weg nehmen.

Sie sind hin und weg. Dieser fremde Gott, der Gott der Juden hatte tatsächlich zu ihnen gesprochen. Jetzt waren sie sich sicher. Dieses Kind war ein ganz besonderes Kind, ein göttliches Kind, das unter Gottes Schutz stand.

So zogen sie wieder in ihre Heimat.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Dies gilt heute und dies galt noch mehr im Altertum.
Voller Freude waren sie und erzählten sicher jedem und jeder von dem was ihnen widerfahren war.
Voller Freude wurden sie somit zu denen, die einen ersten, feinen Lichtstrahl der Guten Nachricht, des Evangeliums in die Welt trugen.

 

-          Kurze Pause -

Gott zeigt uns hier, dass all unser Wissen, all unsere Erfahrungen uns letztlich nicht an das Ziel unseres Lebens bringen können.

Gott lässt seine Wahrheit in allem und jedem aufblitzen.
Im Sinne des Briefes an die Korinther, den wir in der Schriftlesung gehört hatten, könnte man sagen:
Den Sterndeutern bin ich ein Sterndeuter geworden, damit ich Sterndeuter gewinne.
Die Sterndeuter machten sich auf den Weg, weil sie von ihrem Wissen um die Sterne überzeugt waren. Doch ohne Gottes Hilfe, ohne die Heilige Schrift, wäre sie nie ans Ziel gelangt. Letztlich ist alles Wissen nichts wert, ohne Gott.
Das haben die Drei Weißen aus dem Morgenland erkannt. Und diese Weisheit tragen sie nun nach Hause in ihr Land.

Sie hatten erkannt: Die umfassenden Antworten kennt alleine Gott.

Auch für uns heute gilt:
Viele Antworten finden wir in der Heiligen Schrift, im Alten und Neuen Testament.
Andere Antworten finden wir nur direkt bei ihm.
Im Gebet offenbaren wir unser Herz unsere Seele.
Oft müssen wir auf einen Antwort lange warten und dabei ganz genau hinhören und hinschauen; Doch eins ist sicher, Gott begleitet uns, er lässt uns nicht im Stich, er steht uns bei.

Ein letztes Mal schauen wir auf den Weihnachtsbaum mit seinen Sternen und Lichtern, sehen die geschmückte Empore mit dem hell leuchtenden Stern, finden ein letztes Mal die Krippe hier auf dem Taufstein.

Beim nächsten Gottesdienst, hier in der Wolfgangkirche, wird von alledem nichts mehr zu sehen sein.
Lassen Sie uns versuchen einen Teil von dieser Weihnachtsstimmung, dieser Aufbruchsstimmung des Glaubens mit in den Rest des Jahres, mit in den Alltag zu retten.
Lassen sie uns versuchen von dieser Guten Nachricht zu erzählen.
Zu erzählen wie einst die drei Weißen aus dem Morgenland,
zu erzählen wie die ersten „Missionare“ Christi,
zu erzählen vom Licht in der Dunkelheit.

… und möge das Tütchen mit den Punschgewürzen Ihnen hierzu eine kleine Gedankenstütze sein.

Amen

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