Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

13.07.08 NL 56 Röm. 6,19-23

Predigt am 13.07.2008 über NL 56 und Röm. 6,19-23 - Pfarrer Bauschert



Einen bunten Gottesdienst erleben wir heute,
liebe Gemeinde.
Vielleicht hatten Sie ja sogar den Eindruck, er sei zu bunt, falls Sie im Gemeindebrief gelesen haben, was Sie heute alles in diesem Gottesdienst erwartet:
Mehrere Taufen, Musik von Posaunenchor und Projektchor, und dann auch noch ein Erntebittgebet.
Ja, es ist viel – aber so ist das mit der Fülle des Lebens!

Ich will versuchen, die Themen zu verbinden – die Erntebitte findet dann ihren Platz im Fürbittengebet.
Das neue Lied, das wir gerade miteinander gesungen haben, dient mir dabei sozusagen als Vorlage.
Dass der Predigttext aus dem Römerbrief des Apostels Pau-lus dann heute vielleicht etwas zu kurz kommt, bitte ich zu entschuldigen.

„Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.“
Gott zu loben und zu preisen, ihn zu bitten und ihm zu dan-ken nicht nur in Gebeten, sondern eben auch mit Liedern –

das zieht sich durch die Geschichte des Glaubens hindurch.
Die Psalmen waren zunächst einmal gesungene Lieder, auch wenn wir heute die Melodien dazu nicht mehr kennen.
Wie Singen und Musik Menschen begeistern und mitreißen können, wie wirklich etwas spürbar wird von Lebendigkeit und Lebensfreude, das erlebt, wer sich auf gemeinsames Sin-gen und Musizieren einlässt.
So ging es, das war mein Eindruck, auch den Konfirmandin-nen und Konfirmanden am vergangenen Wochenende, als wir miteinander, begleitet von der Band, ein Lied nach dem anderen gesungen haben.
„Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.“

Interessant ist, dass Gott, dem hier gesungen wird, in unse-rem Lied als „Begriff“ gar nicht auftaucht; auch nicht mit den uns sonst bekannten Bezeichnungen wie „Herr“ oder „Vater“.
Ganz anders wird Gott hier angeredet –
als „Quelle des Lebens“, als „Hüter“, als „Wunder“, als „Freundin“ und zuletzt als „Zukunft des Lebens“.

Allein in diesen Begriffen entdecke ich schon eine Verbin-dung zum Thema „Taufe“.
„Du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.“

Du, Gott, bist es, dem ich mein Leben verdanke.
Du hast es mir geschenkt und du bist und bleibst die Quelle, aus der „überfließt“, was ich zum Leben brauche.
Das Taufwasser ist ein Symbol für diese lebendig sprudelnde Lebensquelle.
Für den Apostel Paulus ist klar:
Mit der Taufe werden wir mit hinein genommen in den un-endlich fließenden Lebensstrom, der in der Auferstehung Jesu Christi (um im Bild zu bleiben) geradezu übersprudelt, der herab fällt wie ein Wasserfall auf dürres Land.
So heißt es auch in einem der Lieder, die wir auf dem Konfi-Camp gesungen haben: „Deine Liebe ist ein Wasserfall auf meinem Wüstensand.“
Die Taufe symbolisiert einen Übergang von Altem zu Neuem.
Für die Menschen damals, Menschen im römischen Reich, macht Paulus das deutlich am Bild vom Knecht, vom Sklaven – ein Bild, das damals für alle einleuchtend war.
Ihr seid nun nicht mehr versklavt von dem, was euch gefan-gen nimmt, ihr seid nicht mehr der „Sünde Knecht“, wie er es nennt; sondern ihr seid Teil des Machtbereichs Gottes, seid in seinem Lebensstrom – und dadurch frei.
Auch wenn wir heute in ganz anderen Zusammenhängen le-ben und denken –

die Taufe – egal ob von kleineren oder größeren Kindern
oder auch von Erwachsenen – die Taufe symbolisiert den Übergang in den nie versiegenden Strom lebendigen Was-sers, der von dieser Quelle aus sprudelt.
In einem Vers aus unserem heutigen Predigttext heißt es:
„Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben.“

Was Paulus hier als Ende, als Ziel erwähnt, taucht auch in unserem Lied wieder auf:
„Du Zukunft des Lebens, dir sing ich mein Lied.“
Wir haben Gott hinter uns als Quelle, als „Urgrund“ unseres Lebens; und das Ziel, auf das wir zugehen, ist Leben, ewiges Leben.
Zukunft, die jetzt schon beginnt.
Wirklichkeit, die jetzt schon unser Leben verändert.

Ewiges Leben – das ist keine „Zeitangabe“.
Ewiges Leben, das ist wahres Leben – erfüllt vom Geist Jesu Christi, der dem Getauften zugesprochen wird.
„Der Sünde Sold ist der Tod“, schreibt Paulus.
„Die Gabe Gottes aber (also ein Geschenk!) ist das ewige

Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.“

Wie eine Klammer umfassen diese beiden Bilder das Lied:
Gott als Quelle und als Zukunft meines Lebens.
Wie eine Klammer umfassen diese beiden Bilder mein Le-ben: Du bist die Quelle, aus der ich schöpfe, täglich neu; und
du bist der Garant dafür, dass mein Leben Zukunft hat –
Zukunft bei dir und durch dich.

Dazwischen wird Gott bezeichnet als „Hüter“ und als „Freundin“ des Lebens.
Ich brauche mich nicht zu fürchten auf dem Weg durchs Le-ben, weil Gott bei mir ist; seine Engel, Gott selbst werden mich begleiten und „behüten“.
Das waren die Hauptaussagen der Taufsprüche, die Sie für Ihre Kinder herausgesucht haben.
Wer einen begleitet durchs Leben, das sind neben Eltern und Großeltern, neben Paten und Geschwistern eben Freundin-nen und Freunde – Menschen, die einem wichtig sind und für die man selbst wichtig ist.
„Die Freundin des Lebens“, Gott selbst begleitet uns.
Das gilt – und da ist das Lied sehr realistisch – für alle Tage unseres Lebens:

„In Höhen und Tiefen, trotz Streit und Verletzung“.
Und im „Behüten“, das in den Taufsprüchen vorkommt, da
steckt ja sogar das gleiche Wort drin wie im „Hüter“.
Wer glaubt und vertraut, fühlt sich behütet, geborgen in Got-tes „Hut“, wie es sich in älterer deutscher Sprache noch aus-drücken lässt.
Und natürlich haben wir bei diesem Wort auch das ganz kon-krete Bild eines Huts vor Augen, der den Kopf vor Kälte schützt und jetzt, im Sommer, vor der Sonne.
„Du Hüter des Lebens, du Freundin des Lebens, dir sing ich mein Lied.“

In der dritten, der mittleren Strophe findet sich eine ganz besondere „Gottesbezeichnung“ – von „Quelle“ und „Zu-kunft“, von „Hüter“ und „Freundin“ sozusagen eingerahmt steht da:
„Du Wunder des Lebens, dir sing ich mein Lied.“
Ja, was Gott uns schenkt – Ursprung und Zukunft;
ja, dass Gott uns begleitet und behütet wie ein Freund oder eine Freundin –
all das ist und bleibt ein „Wunder“.
Ich möchte es ein Wunder des Glaubens, des Vertrauens nennen. Es lässt sich weder beweisen noch berechnen, dass Gott Ursprung und Ziel meines Lebens, Begleiterin auf mei-nem Weg ist und bleibt.
Es ist ein Wunder, das wir selbst für uns und unser Leben entdecken können;
das wir dann entdecken können, wenn wir uns offen halten für den Gott, der uns nahe sein will.
Im Lied heißt es in dieser Strophe:
„Nähe die heil macht – wir können dich finden.“

„Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.“
Mein Leben, mit allem was dazu gehört.
Und so gibt es die fröhlichen Lieder; Lieder, in denen wir Gott loben und ihm danken; Lieder, in denen die Lebens-freude übersprudelt.
Aber es gibt auch die anderen Lieder – die klagenden, die traurigen.
Wir müssen gar nicht so tun, als seien wir „immer gut drauf“.
Unser Leben ist mehr als Freude und Glück und Zufrieden-heit.
Manchmal, so mögen wir es empfinden, tröpfelt die „Quelle des Lebens“ nur sparsam;
manchmal, so erleben wir es, kommt vom „Wasserfall der Liebe“ nur ein Rinnsal bei uns an.

Unser Leben – das ist oft auch Ratlosigkeit, Trauer, Angst.
Höhen und Tiefen eben, wie es in unserem Leben heißt;
in Moll oder Dur können wir unser Lebenslied singen, wie es
im heutigen Tauflied formuliert ist.

Wichtig, grundlegend wichtig bleibt, dass wir nie vergessen, was uns versprochen und wofür die Taufe ein Zeichen ist:
„Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, un-serm Herrn.“
Auf seinen Namen sind wir getauft.
Wir gehören zu ihm, weil er sich an unsere Seite stellt.
Sich daran zu erinnern, sich darauf zu berufen heißt:
Ich begebe mich neu auf den Weg, „das Wunder des Lebens“, das Wunder der Liebe Gottes in meinem Leben zu entde-cken.
Ich lasse mich begeistern und verändern und in Bewegung setzen von dem Gott, dem wir heute singen:
„Ich sing dir mein Lied – in ihm klingt mein Leben.
Du Zukunft des Lebens – dir sing ich mein Lied!“

Amen.


Predigt am 13.07.2008 über NL 56 und Röm. 6,19-23 - Pfarrer Bauschert

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