Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

2004 Biblischer Spaziergang

07.12.2004

Biblischer Spaziergang durch Hoheneck: Auf den Spuren einer heiligen Nacht

Theater Blackout inszeniert Reise nach Bethlehem - Engel am Wegrand

(ze) - Vom Dachreiter der Wolfgangskirche läutet die Glocke, als ob sie die Spaziergänger zusammenrufen wollte zur "Reise nach Weihnachten", die das Theater Blackout als Teil des Alt-Hohenecker Weihnachtsmarkts auch am kommenden Samstag und Sonntag jeweils um 15 Uhr antritt.
Ausgangspunkt ist zwischen Alter Kelter und Altem Schulhaus, und ein bisschen pädagogisch ist auch der Einstieg der Laienspieler, die statt vom Glockenzeichen vom vorweihnachtlichen Kassengeklingel und Geschenkestress reden und mit ein paar besinnlichen Versen von Rilke zum "Weg nach Weihnachten" einladen.
Verkündigung des Engels
Die Schafe aus der Kelter blöken noch ein paar "Mäh" hinterher, und schon geht es die Obere Gasse hinauf zu den Weinbergen überm Dorf. Am Wegrand erzählt eine Nachbarin von ihrem Alter, ihrer Krankheit. Sie ist eine der "Dürftigen", die wir mitnehmen auf diesen literarisch-biblischen Spaziergang nach Bethlehem. Der führt die Weinbergstäffele hinauf zur Burgruine, wo zwischen den alten Mauern vor den beiden verwitterten Kiefern die Verkündigung des Engels aus dem Lukas-Evangelium rezitiert wird. Aber, halt: wie war das eigentlich mit Josef und Maria, wie haben sie sich kennen gelernt, gab es nicht auch Zoff zwischen den beiden, die Mühen des Alltags? Das wird in kleinen Szenen lebendig angespielt, und schon geht es weiter. Am Wegrand ein Bettler, aus der Bahn geworfen, er erzählt von seiner Einsamkeit.
Dann, im Steinkreis von der alten Neckarbrücke, der hier oben vom Wein-, Obst- und Gartenbauverein angelegt worden ist, die Szene mit den Weisen aus dem Morgenland: auch das eine gute Mischung aus traditioneller Weihnachtsstimmung, mit "Kommet, ihr Hirten" und "In dulci jubilo", und flapsiger Vergegenwärtigung: der schwarze Melchior ("ein Typ wie Denzel Washington") hat Musik im Blut.
Was die Melchinger mit ihrer "Winterreise" auf der Alb so erfolgreich vorgemacht haben, gelingt dem Theater Blackout in manchen Momenten auch. Eine Todkranke auf der Bank unterhalb der Burg: "Es war schon ein wenig Ewigkeit in meinen Eingeweiden", erzählt sie uns auf dem Weg, der nun von der einsamen, sturmgekrümmten Pinie am Horizont hinabführt durch den Hohenecker Friedhof zum Schafstall, vor dem Maria ("Das Kind tritt ein bisschen") und Josef Rast machen und die Hirten zur Krippe kommen.
Waisenkind vor Kirche
Einer der Hirten hat einen Engel gesehen - "das Wehen von einem Gewand im Gebüsch" - und bei der letzten Station sitzt vor der Wolfgangskirche ein Waisenkind. Drinnen, wo es zum Aufwärmen kaum reicht, dann leider ein unnötig langatmiger, Rilke geschwängerter Schluss. Dennoch: eine lohnende Reise. Warme Winterkleidung empfohlen!
Dietholf Zerweck

 

Die Online-Publikation dieses Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Ludwigsburger Kreiszeitung
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