Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

2008 Hlg-Abend allein

„Heiligabend – allein? – Nein. Gemeinsam!“ – Bericht einer Praktikantin


Wieder einmal liegt ein unvergesslicher Heilig Abend hinter uns. Ein Fest, das wir mit über
200 Gästen im Gemeindehaus in der Gartenstraße begehen konnten, weil sich im Vorfeld und
an diesem Abend selbst viele Menschen bereiterklärt haben, mitzuwirken, Salate zu bereiten,
zu spenden und in vielfältigster Weise sich für diese Veranstaltung eingebracht haben! Um
ein paar Eindrücke von „Heiligabend allein? Nein. Gemeinsam!“ weiter zu geben, kommt
Yvonne Ziegler, die im Rahmen ihres Praktikums in der Diakonischen Bezirksstelle arbeitet,
zu Wort:
„Wenn Sie bei uns im November anfangen, wird eine Aufgabe von Ihnen sein, an unserer
Veranstaltung „Heilig Abend allein? Nein. Gemeinsam!“ tatkräftig mitzuwirken. Dieser Satz
beschäftigte mich nach dem Vorstellungsgespräch in der Diakonischen Bezirkstelle
Ludwigsburg mit dem Geschäftsführer Martin Strecker am meisten. Ich hatte mich dort für
mein Praxissemester meines Religionspädagogikstudiums beworben. Heiligabend nicht wie
jedes Jahr mit meiner Familie im vertrauten und traditionellen Rahmen feiern? Einige Tage
machte ich mir darüber Gedanken. Ich konnte die vergangenen Jahre, Weihnachten in einer
erfüllenden Weise feiern, und in mir wuchs der Wunsch, Anderen dies auch zu ermöglichen.
Ich entschloss mich mitzuarbeiten und war dann auch in der ganzen Vorbereitungszeit mit
eingebunden.
Am 24. Dezember gegen 11.30 Uhr komme ich am Gemeindehaus in der Gartenstraße an.
Alle Türen sind verschlossen und ich bin noch ganz alleine. Unglaublich, dass in wenigen
Stunden hier über 200 Gäste und über 30 Mitarbeiter(innen) sein werden und wir gemeinsam
Heiligabend feiern?! Ich bin sehr gespannt auf den Tag!
Die diesjährige Leiterin Bärbel Albrecht, der Zivi, dessen Vater und ich sprechen noch mal
das Wichtigste durch. Es ist so weit, 12 Uhr, die ersten ehrenamtlichen Mitarbeiter(innen)
kommen. Sie fragen mich, wo sie mit anpacken können und ich spüre ihre Begeisterung. Ab
da beginnt ein ständiges Kommen und Gehen. Manche Mitarbeiter(innen) helfen eine Stunde,
manche mehrere und Andere den ganzen Tag.

Es fasziniert mich, wie so viele
unterschiedliche Menschen gemeinsam etwas vorbereiten, obwohl sie sich kaum kennen.
Kurz vor 13 Uhr kommt die erste Bäckerspende. Ich kann meinen Augen kaum trauen: Das
ganze Auto ist voll bis obenhin. Ich helfe beim Ausladen und entdecke: Brötchen, Brot,
Kuchen und Weihnachtsgebäck. In einem Raum des Gemeindehauses richten Ehrenamtliche
das Gebäck auf Tellern an. Gegen 15 Uhr sehe ich, an der Eingangstüre im Hof stehen schon
einige Menschen an. Was ist es, das sie eine Stunde in der Kälte stehen lässt im Vorfeld dieser
Veranstaltung, für Heiligabend? Die wartenden Menschen erhalten zum Aufwärmen einen
heißen Punsch.
Es ist kurz vor 16 Uhr. Ich weiß nicht, wie der Abend werden wird und bin sehr gespannt. 16
Uhr, die Türen werden geöffnet. Die Menschen strömen über die Treppe in den Saal. Der Saal
wurde liebevoll von der Wohnungslosenhilfe Ludwigsburg e.V. weihnachtlich dekoriert. Es
ist beeindruckend, ihn zu betreten. Meine Hauptaufgabe während der Veranstaltung ist die
Betreuung eines Tisches. An jedem Tisch sitzen zehn Gäste und ein Mitarbeiter oder
Mitarbeiterin. – Wer wird wohl an meinen Tisch sitzen? Wie werden die Gespräche sein?
Nach kurzer Zeit scheinen alle Plätze belegt zu sein, mein Tisch ebenso. Es sitzen bei mir
einige Frauen und Männer zwischen 40 und 70 Jahren. Es wird leise im Saal und Bärbel
Albrecht begrüßt uns. Begleitet vom Klavier stimmen wir ein Weihnachtslied an. Ich lasseeinen Teil aus und lausche den anderen. Mir wird bewusst, dass sich im Moment völlig
unterschiedliche Menschen in einem Raum befinden und wir gemeinsam singen und
Heiligabend feiern: Kranke, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, Kinder,
Obdachlose, Jung und Alt. - Es ist ein unheimlich schönes Gefühl. Nach dem letzten Vers
beginnen wir das Kaffeetrinken. Die Leckereien bieten einen sehr guten Einstieg zu einem
Gespräch. Ich frage einen Mann, ob er schon einmal hier mit dabei war. Er überlegt, fängt an
zu lächeln und gesteht, dass er schon so viele Jahre kommt, dass er ganz vergessen hat, wie
oft er schon dabei war. Ich erzähle ihm, dass es für mich das erste Mal ist und er beginnt von
den früheren Jahren zu erzählen. Eine andere Frau, die zum zweiten Mal teilnimmt, berichtet
von ihrer Tochter, die weit weg wohnt und ihrem Mann, der gestorben ist. Sie ist so dankbar,
dass sie hier her kommen kann und an Heiligabend nicht ganz alleine sein muss.
Nach dem Kaffeetrinken geht es im Programm weiter: Was wäre der Heilige Abend ohne die
Weihnachtsgeschichte? Der Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Ludwigsburg
Martin Strecker gibt uns einige Gedanken zur Weihnachtsgeschichte mit. Umrahmt wird diese
gottesdienstliche Feier von einigen Liedern.


Nach einer Aufbaupause spielen wir gemeinsam ein Weihnachtsquiz. Jeder Tisch bildet eine
Mannschaft. Die Stimmung im Saal heizt sich nach jeder weiteren Frage mehr an. Ich spüre
wie es den Leuten an meinem Tisch unheimliche Freude macht, mit zu raten und zu hoffen,
dass das Ergebnis stimmt. Wir haben einen unglaublichen Spaß, auch wenn wir am Ende
nicht gewonnen haben.
Der fast letzte Programmpunkt steht an: Die Eröffnung des kalt-warmen Büffets. Es wurden
im Vorfeld in der Kirchengemeinde LB-West Salate gespendet und die Brote der Bäckereien
angerichtet. Es gibt außerdem noch gemischten Braten. Die Reihenfolge der Tische wird nach
und nach ausgelost. Die Menschen an meinem Tisch sind schon ganz gespannt. Werden wir
die Nächsten sein? Was wird es alles geben? Ich merke, wie die Leute die Auswahl an
Salaten, Brot und Fleisch genießen. Zurück am Tisch wünschen wir uns gegenseitig einen
guten Appetit und fangen zusammen an zu essen. Oh, wie lecker. Uns schmeckt das Essen
sehr, und der ein oder andere holt sich ein zweites Mal. Während des Essens werden wir von
einer Band mit Tafelmusik begleitet.
Die Veranstaltung neigt sich dem Ende zu. Kurz vor 20 Uhr singen wir noch „O du
fröhliche…“ Frau Albrecht gibt letzte Infos und verabschiedet alle in hoffentlich frohe
Weihnachtstage. Zum Schluss fangen alle an zu klatschen. Ich schaue durch die Reihen, sehe
strahlende, dankbare Gesichter und fange auch an, Beifall zu geben. Es ist eine unvergessliche
Stimmung im Saal.
Ich verabschiede mich von den Leuten an meinem Tisch. Nachdem die Gäste den Saal
verlassen haben, bekommen sie am Ausgang noch eine Geschenktasche mit unterschiedlichen
Utensilien und mit Lebensmitteln mit. Auch das ist eine Tradition, die viele gespannt
erwarten. Wie letztes Jahr auch, wurden diese Geschenktaschen vom Rotaryclub
Ludwigsburg Alt-Württemberg gespendet.
Allmählich leert sich das Haus und die restlichen Mitarbeiter fangen mit dem notwendigen
Aufräumen an. Gegen 22.30 Uhr stehen wir vor dem Gemeindehaus und schließen die Türen
ab. Es ist für mich ein unglaubliches Gefühl, jetzt nach der Veranstaltung vor dem Haus zu
stehen und mich an den Morgen zu erinnern, wo noch alles ganz ungewiss vor mir lag. Jetzt
weiß ich, dass sich jede Vorbereitung gelohnt hat, dass es ein unglaublich wertvoller Abend
war - für Gäste und Mitarbeitende. Es war Heiligabend mal anders – anders großartig.
Yvonne Ziegler, 12.01.2009

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