Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

28.12.08 Lukas 2, 35-38

So 28.12.2008 10.00 WK Gottesdienst
Prädikantin Knoche zu Lukas 2, 35-38

Liebe Gemeinde,

»Frohe Weihnachten!«
Diesen Wunsch haben wir alle während der letzten Tage vielfach weitergegeben und selbst erhalten.
Nun ist das Fest vorüber. Die aufregenden Tage sind vorbei.
Mancher ist vielleicht sogar darüber froh. Wir kommen wieder mehr zu uns selbst, fin-den wohl eher jetzt Zeit für Ruhe und Besinnung.
Es kehrt allmählich wieder Entspannung und Normalität ein.
Es läuft alles wieder in vertrauten Bahnen.

So ähnlich muss es sich auch für Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen angefühlt haben.
Nach dieser besonderen Nacht im Stall in der ihr Kind auf die Welt gekommen ist, mit Hirten, die sich auf den Weg zur Krippe machen, mit Engeln und himmlischen Heer-scharen, die Gott loben und Frieden auf Erden verkünden, geht alles wieder seinen gewohnten Gang.

Nach acht Tagen wird das Kind beschnitten, nach den vorgeschriebenen weiteren dreiunddreißig Tagen, die die Wöchnerinnen daheim bleiben sollen, macht sich die Familie auf nach Jerusalem, um das Kind im Tempel dem Herrn darzustellen und Opfer zu bringen, wie es nach dem jüdischen Gesetz vorgesehen war.

Und dort geschieht, mitten am Tag, mitten im streng geregelten Ablauf, wieder etwas Unerwartetes.

Direkt nach der Weihnachtsgeschichte erzählt der Evangelist Lukas davon.

Hören Sie den Predigttext aus Lukas 2:

Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm. Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
„Nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“
Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird - und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.
Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels aus dem Stamm As-ser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wie-der zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.
Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.

Jesus wird von seinen Eltern also in den Tempel gebracht.
Dort sind zur selben Zeit zwei Menschen, Simeon und die Prophetin Hanna, beide hochbetagt.
Sie haben ihr Leben lang gewartet: auf eine Begegnung mit Gott, auf die Ankunft des Messias.
Viele Jahre sind die beiden täglich im Tempel gewesen, um zu beten und auf ein Zei-chen zu hoffen, das ihnen und ihrem Volk eine bessere Zeit ankündigt.

Und jetzt begegnen sie dem Kind Jesus.

Simeon und Hanna spüren, dass es mit diesem Kind etwas Besonderes auf sich hat.
Sie fühlen sich ihm zugetan.
Es rührt sie an.
Simeon nimmt das Kind auf den Arm und ihm geht der Mund auf. Er jubelt:

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Simeon ist sich sicher:
Mit diesem Kind erfüllen sich die Visionen und Hoffnungen der Väter.
Es ist der Auserwählte, von dem der Prophet Jesaja spricht, der den Mächtigen der Welt gegenübertreten wird, der das Recht wieder aufrichten wird.
Es wird die Blinden sehend und die Gefangenen frei machen.
Niedergedrückte werden aufgerichtet und Verzweifelte schöpfen neue Hoffnung.
Dieses Kind wird die Knechtschaft beenden. Der Retter ist da.

Für Simeon ist es eine Sternstunde.
Sein Herz wird mit tiefer Freude und der Gewissheit erfüllt, dass in der Begegnung mit diesem Kind sein Leben das Ziel gefunden hat.

Und auch Hanna ergeht es so.
Seit Jahren befolgt sie das göttliche Gesetz durch strenges Fasten und Beten.
Nun ist sie alt, selbst ohne Kinder, und erfährt, dass das Warten auf die Erlösung ein Ende hat, dass in diesem Kind Gott selbst erscheint, seine Gnade sichtbar wird und dem Leben Erfüllung schenkt.
Da geht auch ihr das Herz über. Und vieles, was sie bisher nur für sich, im Innern, getragen hat, bricht auf.
Lukas schreibt:

Sie pries Gott und redete von dem Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusa-lems warteten.

Beide, Simeon und Hanna, werden in der Begegnung mit Jesus zu Eingeweihten, Weggefährten, Mitwissern einer befreienden Erfahrung:
Gott ist in die Welt gekommen.
Die gute Zeit ist da.
Das Heil liegt hier bei diesem Kind, es ist be-greifbar, weil man es umarmen, umfassen, halten kann.

So hat Gott es von Anfang an beschlossen.
Er gibt seinen Sohn, er gibt sich vertrauensvoll in die Arme von Menschen: Maria und Josef, die Hirten und jetzt Simeon und Hanna.

Noch will niemand dem Kind Böses. Aber der Weg Jesu, sein gewaltsames Ende, klin-gen bereits in Simeons Weissagung an. Nachdem er Eltern und Kind gesegnet hat, spricht er davon, dass Jesus „Zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel“ be-stimmt ist, dass er Widerstand aushalten muss, dass sich an ihm die Geister scheiden werden.

Doch jetzt, heute, im Tempel in Jerusalem, ist die Begegnung zwischen Simeon, Han-na und Jesus noch bestimmt von überschwänglicher Freude, von der wunderbaren Erfüllung lang gehegter Hoffnungen.

Und da können Simeon und Hanna nicht anders.
Sie müssen Gott loben und davon erzählen.
Es geht ihnen wie den Hirten in der Heiligen Nacht, von denen es heißt: „Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde ge-sagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten ge-sagt hatten. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.“

Simeon und Hanna können nicht anders als Gott loben und davon erzählen, was ge-schehen ist. Sie sind auf einmal Teil des Weihnachtswunders. Sie geraten mitten hi-nein.

Und wir, liebe Gemeinde, wie ist es mit uns?
Geraten wir irgendwo hinein?
Sind wir dem Kind begegnet?
Rührt es etwas in uns an?

Sicher, wir können es nicht einfach so auf den Arm nehmen wie Simeon.
Wir sind über zweitausend Jahre davon entfernt.

Aber uns wird davon erzählt.
Alle Jahre wieder.
Davon, was geschehen ist.
Davon, was andere Menschen mit diesem Kind erlebt haben, davon, was es bei ihnen ausgelöst und in Bewegung gebracht hat.
Uns wird davon erzählt.
Durch Menschen von heute und Menschen von damals.
Menschen wie Simeon und Hanna.
Und wir, wir können etwas von den beiden lernen und erfahren.

Wir erfahren, dass Wunder nicht planbar sind, dass Freude nicht auf Bestellung kommt und schon gar nicht nach dem Terminkalender, dass es aber möglich ist, in unerwartetes, freudiges Geschehen hineinzugeraten.

Wir erfahren, dass es Ruhe und Geduld braucht, Gelassenheit, und die Bereitschaft, Arme und Herzen weit zu machen und offen zu halten, damit Gott uns nach seinem Rat beschenken kann.

Wir erfahren, dass die Begegnung mit diesem Kind, die Begegnung mit Gott, erfüllend ist und erzählen, loben lässt.

Liebe Gemeinde, alle Jahre wieder stellt sich die Frage, ob wir dem Kind begegnet sind, ob wir in das Weihnachtsgeschehen hineingeraten sind.

Ich weiß nicht, wie Sie diese Frage für sich ganz persönlich oder im Gespräch mit Fa-milie und Freunden beantworten würden.

Ihre Antwort ist sicherlich auch davon abhängig, wie Sie dieses Jahr erlebt haben, wie Sie in die Weihnachtszeit hineingegangen sind.

Und das ist bei jedem von uns unterschiedlich.

Da gibt es Schönes, das weit und leicht macht:
• Beziehungen, die gelingen,
• Ziele, die erreicht werden,
• Kinder, die auf die Welt kommen und wachsen,
• Wünsche und Hoffnungen, die sich erfüllen.

Und es gibt das Schwere, das einengt und stumm werden lässt:
• Träume, die zerplatzen,
• Menschen, die nicht mehr da sind und die wir vermissen,
• Verletzungen, die wir anderen zufügen,
• Krankheit und Sorgen, die uns die Hoffnung nehmen.

Und es gibt die Welt um uns herum:
Naturkatastrophen und Kriege, ganz aktuell die bedrohliche Situation im Nahen Osten, Hunger und Armut, Finanzkrise und Arbeitslosigkeit, aber auch den Willen, miteinan-der etwas zu verändern, die Bereitschaft, sich zu unterstützen, Menschen, die uner-müdlich Zeit und Kraft investieren – in Hilfsprojekte, für Menschenrechte, für Frieden.

Aber unabhängig davon, was uns gerade umgibt, unabhängig davon, wie unsere Ant-wort aussieht, die Botschaft, um die es geht und die bei Simeon und Hanna Staunen und Freude hervorruft, bleibt:

Gott kommt zu uns Menschen.
Er kommt mitten hinein in unsere Welt, die ist, wie sie ist, mitten hinein in Freude und Trauer, in Zuversicht und Hoffungslosigkeit.
Gott wendet sich uns zu. Er nimmt weg, was uns von ihm trennt und macht uns frei zum Leben.
In Jesus begegnet er uns als Bruder und Freund, in Jesus, von dem Lukas weiterer-zählt:

Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wie-der zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.
Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.

Wir alle wissen, wie es mit dem Kind Jesus weitergeht.
Uns wird davon erzählt.
Alle Jahre wieder.

Und alle Jahre wieder, jeden Tag, können wir ihm, können wir dem Wunderbaren be-gegnen.

Denn die Geschichte Gottes mit diesem Kind, die Geschichte Gottes mit den Men-schen, seine Geschichte mit jedem von uns ist mit Weihnachten nicht zu Ende.
Weihnachten ist erst der Anfang.
Es geht weiter.
Wir dürfen gespannt sein.

Frohe Weihnachten!



Amen.
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