Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

Armes reiches D

Armes reiches Deutschland - so können wir es zurzeit in verschiedenen Veröffentlichungen der Medien lesen oder hören. Armut, so denken viele, gibt es in Deutschland doch gar nicht, und in Ludwigsburg auch nicht. Davon zu reden war bis vor kurzem tabu. Seit einigen Wochen wird aber über dieses Thema diskutiert. Diskutiert deswegen, weil festgestellt wird, dass es Menschen gibt, die am Rande des Existenzminimums leben müssen. Es bleibt dahingestellt, ob selbstverschuldet oder nicht.
Da ist die allein erziehende Mutter, die zur Einschulung des Kindes nicht die nötigen Mittel hat, um die Anschaffungen, die gefordert sind, zu be-zahlen.
Da ist die alte Dame, deren Partner gestorben ist und die von dem Wenigen, was geblieben ist, leben muss.
Einzelfälle, werden Sie mir entgegnen. Nein, denn diese Beispiele ließen sich durch Berichte aus der Diakonie fortsetzen. Sicher werden Sie einwenden, dass unser Staat, unsere Stadt doch hier verpflichtet sind zu helfen. Das ist richtig und doch nicht genug.
Wolfgang Thierse, der Bundestagsvizepräsident, meint: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich die sozialen Gegensätze über Generationen verfestigt haben.“
Dabei ist Geld nur die eine Seite. Angst und Unsicherheit, aber auch Orientierungslosigkeit machen sich breit. Welche Arbeit ist heute noch sicher? Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg treffen jetzt auch die so genannte Mittelschicht.
Es ist klar, dass die Reformierung der Gesellschaft durch Globalisierung und Veränderung der Bedingungen diese Gegensätze verschärft hat.
Die Frage nach der sozialen Verantwortung muss gestellt werden, nicht aber unter dem Vorzeichen einer „Neid“-Debatte.
Diese Fragen müssen wir uns alle stellen: Wo und wie können wir dazu beitragen, dass Mitmenschlichkeit wieder mehr unter uns gepflegt wird?
Wo und wie können wir auch als Kirchengemeinde Augen und Ohren öffnen, um dieser Not, wenigstens teilweise, abzuhelfen?
Advent und Weihnachten laden uns ein, in der Hektik des Alltags innezuhalten. Gelingt es uns, auch über das Verhältnis von Arm und Reich nachzudenken?
Fast hätte ich es vergessen: Auch in diesem Jahr feiern Menschen, die allein, alt und/oder obdachlos sind, am 24.12. genauso Weihnachten wie wir. Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gesucht und gebraucht. Auch Salate und Weihnachtsgebäck werden wieder benötigt. Wir freuen uns über jede Beteiligung oder Hilfe.


Eberhard Daferner
Kirchengemeinderat und Vorsitzender des Diakonischen Bezirksauschusses in Ludwigsburg
Interessante Links: http://www.meinekirche.de http://www.seelenfuetterer.de http://www.ekd.de http://www.elk-wue.de