Wolfgangkirche-Hoheneck
evangelische Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck

Osternachtix

Von Lektor Klaus Bendel

Es war einmal im Frühling
Anno Domini MMVII.

Am vierzehnten Tage nach dem ersten Sonntag des ersten Vollmonds dieses Frühlings ist ganz Germanien, wie an jedem Sonntagmorgen, fest in der Hand von Gevatter Schlaf.
Ganz Germanien? Nein! Einige unbeugsame Dörfer leisten dem Tiefschlaf erbitterten Widerstand.

 

Das Dörfchen Hoheneck liegt eingebettet im Neckartal und war Gevatter Schlaf bislang treu ergeben. In diesem Jahr regt sich jedoch Widerstand! Was war geschehen? Der Ältestenrat des Stammes der Evangelen hatte beschlossen, sich an diesem Sonntag gegen Gevatter Schlaf zu erheben. So verkündete der „Häuptling“ Predigtfix: „Auf, auf ihr treuen Evangelen, lasset uns aufbegehren gegen Gevatter Schlaf!“ Doch richtete sich dieser Aufstand nicht nur gegen Gevatter Schlaf, sondern vielmehr gegen seinen großen und übermächtig scheinenden Bruder, Gevatter Tod. Den Kampf gegen Gevatter Schlaf konnten die treuen Evangelen mit etwas Anstrengung noch selbst gewinnen, doch Gevatter Tod galt als unbezwingbar.
Aber die Evangelen wussten, wie alle Menschen aus dem Volk der Christen, dass es einen gibt, der die Macht des Todes brechen kann. Ein Zimmermann und Lehrer aus einem fernen Lande hatte Gevatter Tod schon einmal besiegt und seinem Volk ein großes Versprechen gegeben: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“
Die Freude unter dem Christenvolk war groß. Sie erzählten überall von der Macht und dem Versprechen des Jesus von Nazareth, der fortan auch Christus, Gottes Sohn, genannt ward. Zu seiner Ehre bauten sie große Häuser, um sich dort zu versammeln, und nannten sie Kirchen. Bald erklangen Lieder und Gebete bis in den Himmel hinein. Auch der Stamm der Evangelen hatte eine solche Kirche gebaut. So rief ihr Häuptling Predigtfix: „Kommet zu Hauf! Kommet in die Kirche, und lasset uns feiern und danken dem Herrn! Der Herr ist durch die kalte Nacht des Todes gegangen, und bezwungen ward Gevatter Tod; bezwungen auch für uns! Er hat das Licht des Lebens gesehen! So lasset uns nun auch die kalte und dunkle Nacht durchwandeln und sie mit dem Schein unserer Kerzen erhellen, auf dass wir etwas davon fühlen mögen - vom Sieg des Lichts über die Dunkelheit.“

Es war zur fünften Stunde, da erhob sich der Stamm der Evangelen und besiegte Gevatter Schlaf. Viele traten ein ins Gotteshaus, wie ihnen geheißen ward. Sie hörten die Geschichten vom Sieg des Jesus Christus. Geschichten vom Sieg des Lebens über den Tod. Sie sangen und beteten. Es war Zuversicht und Freude abzulesen an den Gesichtern der Evangelen. Ein lohnender Aufwand war er, der Kampf gegen Gevatter Schlaf.
Führte er doch letztlich zum Sieg über Gevatter Tod.
Seine Macht ward gebrochen, das spürten sie alle an diesem Ostermorgen.

Voller Freude und guten Mutes ruft Häuptling Predigtfix
nun auch im neuen Jahr aus:

„Auf, auf ihr treuen Evangelen,
lasset uns aufbegehren gegen Gevatter Schlaf!
Kommet zu Hauf! Kommet in die Kirche zur sechsten Stund´, und lasset uns feiern und danken dem Herrn in dieser Osternacht!“

Scriptorius Bendelix

Post Scriptum: Zur Stärkung des Evangelenstammes, wird hernach zum Mogenmahl in des Häuptlings Hütte geladen!
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